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Heftiger Widerstand in der Region
Kommunen und Ärzteschaft fordern Erhalt der Notfallpraxen in Coesfeld und Lüdinghausen
Auf heftigen Widerstand in der Region stößt die zum 1. Februar 2012 wirksam gewordene Entscheidung der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), die Notfallpraxen in Coesfeld und Lüdinghausen wochentags zu schließen. Kommunen und Ärzteschaft sehen eine ausreichende ärztliche Versorgung im Notfall als gefährdet an. Das Argument der Wirtschaftlichkeit greife zu kurz, weil die Wege von Patienten und Ärzten und die Abstimmung mit dem Apothekennotdienst nicht einbezogen worden seien. Die Bürgermeister werfen der KVWL außerdem vor, sie nicht ausreichend bei der Reform beteiligt zu haben.
Der Protest geht dabei nicht nur von den Schließungsplänen direkt betroffenen Standorten Coesfeld und Lüdinghausen aus: Deren Bürgermeister Heinz Öhmann (Coesfeld) und Richard Borgmann (Lüdinghausen) machten deutlich, dass ihr Protest von den jeweiligen Nachbarkommunen in vollem Umfang unterstützt wird. So sorgen sich im Norden Billerbeck, Rosendahl, Gescher und Velen ebenso um die Patientenversorgung wie sich im südlichen Münsterland die Städte und Gemeinden Ascheberg, Nordkirchen, Olfen, Senden und Selm für den vollständigen Erhalt der Lüdinghauser Notfallpraxis einsetzen.
„Die Notfallversorgung darf sich nicht allein nach Wirtschaftlichkeitserwägungen der KVWL richten“, fordert Öhmann insbesondere auch die Erreichbarkeit der Notfallpraxen für die Patienten weiterhin zu gewährleisten. Lüdinghausens Bürgermeister Borgmann sieht auf lange Sicht gar die Notfallpraxen ganz gefährdet: „Die KVWL gestaltet den Notdienst bewusst so, dass die Patienten ihn nicht mehr wahrnehmen und daher direkt die Krankenhäuser aufsuchen.“ Das von der Kassenärztlichen Vereinigung für die Neuregelung vorgebrachte Argument, dass die Praxen in Coesfeld und Lüdinghausen an den Wochentagen kaum von Patienten frequentiert würden, sei so bereits in einem anderen Licht zu sehen. Borgmann verwies in diesem Zusammenhang auch auf ein aktuelles Urteil des Bundessozialgerichtes, wonach „…die nicht erwünschte direkte Inanspruchnahme der Klinik in Notfällen auszuschließen sei…“ (Urteil v. 11. Mai 2011, Az. B6KA 23/10 R).
Hoffnung setzen die betroffenen Kommunen jetzt auch auf die nordrhein-westfälische Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Diese wurde aufgefordert, sich im Rahmen ihrer Aufsichtsfunktion für eine sachgerechte Lösung einzusetzen. „Ein Schritt, der auch notwendig wurde, weil die KV es im Vorfeld nicht für nötig hielt, über die geplante Reform zu informieren, geschweige denn mit den Beteiligten – Kommunen wie Ärzteschaft – zu diskutieren“, so Öhmann. Eine Kritik, die auch vom Coesfelder Ärztering (CÄR) und dem Ärzteverein Lüdinghausen-Selm-Olfen vorgetragen wird. „Die aktuellen Änderungen sind vorab von der kassenärztlichen Vereinigung nicht mit dem CÄR abgesprochen worden. Die Coesfelder Ärzte wurden von den Veränderungen ebenso überrascht wie die Bevölkerung. Hierüber sind wir sehr verwundert“, heißt es in einer Stellungnahme des Coesfelder Vorstandes des CÄR. „Wie soll es wirtschaftlicher sein, zwei Notdienste in zwei Praxen parallel zu betreiben?“, fragt der Vorstand und meint es wäre am günstigsten, in Coesfeld den kinderärztlichen und allgemeinärztlichen Notdienst zusammenzuführen. „Ansonsten wäre es noch effizienter, die dezentrale Lösung die die Coesfelder Ärzte zuvor über Jahre erfolgreich angeboten haben, zu fahren. Auch der Ärzteverein Lüdinghausen-Selm-Olfen betont, dass die neu eingerichteten Versorgungsstrukturen über die Köpfe der betreffenden Ärzte und somit auch Patienten hinweg von der Kassenärztlichen Vereinigung im Zusammenwirken mit den Krankenkassen installiert worden sind.
Ein weiterer kritischer Punkt der Reform ist nach Ansicht von Borgmann und Öhmann die fehlende Abstimmung mit dem Apothekennotdienst. Dies führe nochmals zu weiteren beschwerlichen Reisewegen für die Patienten. „Konkret bedeutet das: von Selm oder Velen nach Dülmen zur Notarztpraxis und dann schauen, in welchem Ort eine Apotheke geöffnet hat“, bringt Öhmann die Realität auf den Punkt. „Dazu hat sich keiner Gedanken gemacht“, ist sich Borgmann sicher.
Beide Bürgermeister betonen, dass sie zum Dialog mit der KVWL bereit sind, um eine patientengerechte Lösung zu erarbeiten. Ihr Lösungsansatz geht davon aus, die vorhandenen guten Versorgungsstrukturen mit einem funktionierenden Notfalldienst sinnvoll zu verknüpfen. „Das Lüdinghauser St. Marien-Hospital verfügt mit den Abteilungen Chirurgie und Innere Medizin über die gerade für die Notfallversorgung wesentlichen medizinischen Kompetenzen“, so Borgmann. Öhmann verweist auf die enge Verzahnung des allgemeinen Notdienstes mit dem kinder- und jugendärztlichen Notdienst am St. Vincent-Hospital. Diese Kompetenzbündelung gelte es weiterhin zu nutzen. Dabei sei aber eine gerechte Kostenregelung ebenso zu gewährleisten wie attraktive Arbeitsbedingungen für die Ärzte.
Foto: Notfallpraxis Lüdinghausen, Quelle: St. Marien-Hospital Lüdinghausen GmbH

