700 Jahre Stadt - Lüdinghausen:
Festjahr vom 9. März 2008 bis 9. März 2009
Nachdem im Jahr 2000 die erste urkundliche Erwähnung der Steverstadt mit vielen Aktivitäten gefeiert wurde, stand ab März 2008 das nächste große Jubiläum an: Vor 700 Jahren bekam Lüdinghausen die Stadtrechte verliehen. Aus einer Ansammlung von Höfen war das geworden, was eine Stadt ausmacht: ein Handelsplatz von Bedeutung mit vielfältigen zentralen Funktionen für Stadt und Umland. Lüdinghausen hatte einen Markt, war Gerichtsplatz und verfügte über eine eigene Stadtvertretung. Die Stadtwerdung beeinflusste die weitere Entwicklung von Lüdinghausen maßgeblich und prägt den Ort bis heute.
Über das ganze Festjahr wurde mit zahlreichen Veranstaltungen und Aktivitäten an das historische Datum und die Stadtwerdung erinnert werden.
Lüdinghausen im 16. Jh. Links Burg Vischering, vorne Burg Lüdinghausen, neben der deutlich größer dargestellten Felizitaskirche die Treppengiebel der Burg Wolfsberg.
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Geschichtliches
Zur Vorgeschichte
Im Jahr 800 ist Lüdinghausen das erste Mal urkundlich erwähnt worden. Doch es sollten mehr als 500 Jahre ins Land gehen, bis aus der Ansammlung von Höfen eine Stadt geworden war...
Rekonstruktion einer Sachsenhofanlage in Greven (Foto L. Schmitz)
Lüdinghausen wird erwachsen
Schon in 13. Jh. gab es zwischen dem Bischof von Münster auf der einen Seite und den Herren von Lüdinghausen und Lüdinghausen-Wolf auf der anderen Seite Streit. Der Bischof wollte das Gebiet der Lüdinghauser Ritter in sein Herrschaftsgebiet integrieren. Im Laufe des Konfliktes setzte der Fürstbischof seinen Droste auf die später Vischering genannte Burg, um die Macht der auf den Burgen Lüdinghausen und Wolfsberg lebenden Ortsadligen einzudämmen. Als der Bischofssitz unbesetzt war, nutzten die Ritter von Lüdinghausen diese Zeit, um ihre Macht zu sichern und erhoben den "Flecken Lüdinghausen" zur Stadt.
Lüdinghausen im 16. Jh. Links Burg Vischering, vorne Burg Lüdinghausen, neben der deutlich größer dargestellten Felizitaskirche die Treppengiebel der Burg Wolfsberg. (Ausschnitt aus einer Karte StAMS)
Das Datum
Sie taten dies mit einer Urkunde, die sie, wie dort zu lesen steht, "am Sonntag, da gesungen wird Laetare" ausstellten. Gemeint ist der Sonntag mitten in der Fastenzeit vor Ostern. Nun gibt es bei dem Datum eine Besonderheit zu beachten: Damals galten in verschiedenen Gegenden unterschiedliche Jahrenanfänge. Im hiesigen Bereich datierte man bis 1310 im sog. Osterstil. Das heißt, das neue Jahr begann mit dem Osterfest. Der Tag der Urkundenausstellung, d.h. der vierte Fastensonntag, fiel für die Lüdinghauser Ritter in das Jahr 1308, für viele Menschen im damaligen Reich und für uns heute in das Jahr 1309.
Nun ist es, um die Stadtrechterhebung historisch richtig einzuordnen, sinnvoll, das Datum der jetzt bestehenden Zeitrechnung zu nehmen. Denn wie beschrieben, fand die Stadterhebung in einer ganz bestimmten historischen Situation statt und war kein Einzelereignis. Bei den zurückliegenden Jubiläumsfeierlichkeiten in den Jahren 1908, 1958 und 1983 hat man diese Tatsache nicht zum Ausdruck gebracht. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, werden die beiden Daten durch das Jubiläumsjahr 2008/2009 verbunden.
Lüdinghausen als Stadt - Früher
Siegel der Stadt (StALH)
Die Herren der Burgen waren letztlich dem Fürstbischof unterlegen und die Stadterhebung wurde nicht anerkannt. Die Lüdinghauser durften nicht wie z. B. die Dülmener, Coesfelder und Werner ihre Vertreter in den Landtag nach Münster schicken und die formale Anerkennung als Stadt ist dem Ort damals verwehrt worden.
Und doch ist Lüdinghausen eine Stadt gewesen und hat sich entsprechend weiter entwickelt: So gab es hier eine größere Bevölkerungsdichte als im Umland. Eine Befestigungsanlage, bestehend aus Graben, Wall und Palisaden sowie mehreren Stadttoren umgab die Stadt. Der Ort an der Stever hatte einen Markt, verfügte über eine eigene gewählte Stadtvertretung, man hielt Gericht und es bildete sich eine stadtspezifische Sozialstruktur mit Ober- und Unterschicht, die „Bürger“ hatten größere Rechte als die „Einwohner“. Darüber hinaus wurde der Ort der Siedlungsschwerpunkt für Handwerker, es gab hier die Kirche und Gaststätten.
Das heißt, Lüdinghausen hatte schon damals eine Mittelpunktfunktion für die umliegenden Bauerschaften, die das sog. Kirchspiel Lüdinghausen bildeten sowie weitere Kirchspiele und Dörfer wie Senden, Ascheberg und Seppenrade.
Lüdinghausen als Stadt - Heute
Lüdinghausen ist auch heute Stadt und Mittelzentrum - ein Gefüge aus Ortsteilen mit einem aktiven wirtschaftlichen, kulturellen und sozialen Leben.
Hier sind Kindergärten, Schulen, Altenheime, ein Krankenhaus Behörden, Märkte, Kirchen, Vereine, Industrie, Handwerk, Dienstleistungsbetriebe wie Hotels und Gaststätten, Geschäfte, Banken und Versicherungen entstanden. Sie alle gehören mit ihrer jeweils eigenen Vergangenheit zu unserer Stadt.
Dies soll thematisch über dem Jubiläumsjahr stehen.
(Foto: Westfälische Nachrichten)
