Elke Schlüter ist vielen Lüdinghausern bekannt. Sie ist „die Blaudruckerin“ in unserer Stadt. Was allerdings nur wenige wissen: In ganz Deutschland existieren nur neun Blaudruckwerkstätten. In Nordrhein-Westfalen ist Elke Schlüter die einzige, die die jahrhundertealte Technik der Stoffveredelung ausübt. Letzte Woche ist Elke Schlüter in Berlin für ihr Handwerk ausgezeichnet worden. Von Irmgard Maria Fellner, Beauftragte für Auswärtige Kulturpolitik im Auswärtigen Amt, hat sie zusammen mit den wenigen anderen Blaudruckerinnen und Blaudruckern eine UNESCO-Urkunde erhalten. Bürgermeister Richard Borgmann beglückwünschte sie am Donnerstag mit einem bunten Blumenstrauß zu diesem Erfolg.

„Das war schon ein besonderes Gefühl“, berichtet Schlüter. „Es ist einfach eine tolle Anerkennung für das, was ich mache und es sorgt dafür, dass das Handwerk nicht in Vergessenheit gerät.“ Genauso sah das auch die UNESCO und hat den Blaudruck daher im vergangenen November in die Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. „Die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes ist eine wichtige Säule zur Bewahrung und Vermittlung der kulturellen Vielfalt weltweit“, sagte Fellner anlässlich der Urkundenübergabe. „Über Generationen überliefertes Wissen und Können sind wichtige kulturelle Ressourcen“, betonte sie.

Der Blaudruck ist ein Reservedruckverfahren, mit dem sich Naturfasern veredeln lassen. Statt mit Farbe wird mit einer farbabweisenden Masse, im Fachjargon Papp genannt, das Leinen bedruckt. Dieses muss etwa drei Monate austrocknen. Dann wird der Stoff in einen Sternreif gehängt. Mit einem Flaschenzug wird der Reif in einen Färbebrunnen in die Küpe (Farbe) eingetaucht und das Muster bleibt bei der Färbung ausgespart, eben „reserviert“. Anschließend wird der Stoff ausgewaschen und die Druckmasse löst sich wieder ab. Das Muster erscheint dann in der weißen Farbe des Stoffes.

Drei Kriterien haben laut Schlüter für die UNESCO bei der Urkundenüberreichung eine Rolle gespielt: Modeldruck mit Papp, die Küpe und der alte, originale Farbstoff Indigo, mit dem auch Schlüter färbt. Tatsächlich hat jede Blaudruck-Werkstatt ihre eigene Geheimrezeptur für die Herstellung des sogenannten Reservemittels. „Die verriet der Vater seinem Sohn früher erst am Sterbebett“, erklärt Schlüter. Hauptsächlich besteht das Mittel aus Gummi arabicum und Tonerde. Immer wieder bekommt Schlüter Anfragen von Leuten, die wissen wollen, wie das Blaudruckverfahren funktioniert. Auch Studierende der Textiltechnik schreiben häufig ihre Examensarbeiten über dieses Thema.

Schlüter ist es wichtig, das alte Handwerk „auf Menschen von heute zu übertragen“. Damit das Handwerk weiterlebt, müsse es auch heute noch benutzbar und bezahlbar sein. Die Liebhaber des Blaudrucks seien weder unbedingt alt oder jung. „Ab Mitte 30 fangen die Leute an sich dafür zu interessieren“, weiß Schlüter zu berichten. „Sie müssen sich erst ein eigenes Nest gebaut haben, in das der Blaudruck gut hineinpasst.“

Borgmann sagte, dass er stolz darauf sei, das alte Handwerk in Lüdinghausen beheimatet zu wissen. Schlüter mache Lüdinghausen mit dem Blaudruck auch über die Region hinaus bekannt. Außerdem passe das alte Handwerk hervorragend zum Cittaslow-Image der Stadt, das darauf setzt, Bewährtes nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Demnächst möchte Schlüter mit einem Schild an ihrem Geschäft in der Münsterstraße auf die Auszeichnung durch die UNESCO hinweisen. Dies wird sicherlich noch mehr Begeisterte in das Ladenlokal ziehen.