Am 21. Februar ist Weltgästeführertag. Christoph Davids ist ein bekanntes Gesicht als Stadtführer und Nachtwächter in Lüdinghausen. Im Interview erzählt er, was Lüdinghausen als Stadt für ihn ausmacht und wie er dazu gekommen ist, seine Heimatstadt Besuchern zu präsentieren.

 

Herr Davids, die Stadtführer sind eines der Markenzeichen Lüdinghausens. Wenn zum Beispiel Sie mit Ihrem Nachtwächter-Gewand durch die Stadt gehen, erkennen die Bürgerinnen und Bürger Sie schon von weitem. Wie lange machen Sie das jetzt schon?

Christoph Davids: Stadtführungen mache ich bereits seit über 30 Jahren. Im nächsten Jahr feiere ich mein 25-jähriges Jubiläum als Nachtwächter. Angefangen mit den Führungen habe ich aber auf der Burg Vischering.

Wie kam es dazu?

Christoph Davids: Mein Großvater Alfons Alba hat Leute auf der Burg Vischering herumgeführt. Als ich 16 Jahre alt war, hat er mir dies dann näher gebracht. Der Burg Vischering fehlten gerade Führer und sie wurde dann mit der Zeit aus ihrem Dornröschen-Schlaf erweckt.

Wie war das damals als Jugendlicher für Sie?

Christoph Davids: Es war ein toller Nebenjob als Schüler. Ich habe viel über die Fertigungen des Sprechens gelernt und konnte mich bald vor einer großen Gruppe von Leuten hinstellen und einfach drauflos reden.

Und wie ist die Figur des Nachtwächters entstanden?

Christoph Davids: Die Idee kam mir recht spontan. Ich habe im Jahr 1995 Birgit Würdemann, die erste hauptamtliche Geschäftsführerin von Lüdinghausen Marketing, am Abend durch die Stadt geführt, weil ich tagsüber noch keine Zeit hatte. Auch da sind wir mit der Laterne durch die Gassen gegangen. Diese etwas andere Art der Führung hat Frau Würdemann sehr gut gefallen, wir fanden es beide originell. Nach und nach entstand dann die Idee der Nachtwächter-Führungen. Ich habe angefangen zu Stina Voss, dem letzten echten Nachtwächter Lüdinghausens, zu forschen und bekam immer mehr Spaß an diesem Angebot.

Wie lange dauert eine Stadtführung für gewöhnlich?

Christoph Davids: Lüdinghausen hat so viel Potential. Um das vorzustellen, braucht es schon mindestens eineinhalb Stunden, aber eine Führung sollte auch nicht länger als zweieinhalb Stunden dauern. Wichtig ist, sich darauf einzulassen, was es für eine Gruppe ist und was sie will.

Und was wollen die Leute?

Christoph Davids: Die meisten wollen keine Zahlen um die Ohren geworfen bekommen, sondern Geschichten hören. Eine Stadtführung soll zum Erlebnis werden. Die Leute sollen sich später gerne an Lüdinghausen erinnern. Übrigens sehe ich oft Besucher, mit denen ich einige Zeit vorher als Stadtführer unterwegs war, zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in der Stadt.

Was gefällt Ihnen an Ihrer Tätigkeit besonders gut?

Christoph Davids: Wenn die Leute sich freuen und sagen, dass sie auf Weiterempfehlung kommen. Dann muss ich es wohl richtig gemacht haben. Ich fange nun an, all meine Führungen nachzuhalten und aufzuschreiben. Mittlerweile komme ich bei meinen Gästen auf eine gute fünfstellige Zahl. Das ist doch schon einmal was.

Was mögen Sie persönlich besonders an Lüdinghausen?

Christoph Davids: Da sind so viele Dinge. Dass es so schön kleingliedrig ist. Das ist auch das, was die Leute sehen wollen. Ich mag es einfach, durch die Straßen zu gehen und mich treiben zu lassen. Wenn ich 14 Tage lang nicht über unseren Marktplatz gegangen bin, werde ich kribbelig. Dann muss ich endlich wieder dorthin.

Gibt es Dinge, die Sie bei einer Führung ärgern?

Christoph Davids: Ja, wenn die Leute unaufmerksam sind. Oder wenn zu viel Alkohol getrunken wird und sie sagen: „Los, sei mal lustig“. Ich bin gerne für Spaß zu haben, aber ich bin kein Clown.

Ist bei Ihren Führungen schon einmal etwas Außergewöhnliches passiert?

Christoph Davids: Während einer meiner Führungen hat ein Mann seiner Freundin schon einmal einen Heiratsantrag gemacht. Das war natürlich etwas Besonderes. Und das Beste: Sie hat „ja“ gesagt.

Bemerken Sie noch neue Dinge in Lüdinghausen?

Christoph Davids: Ja, ich entdecke neues Altes und neues Neues. Auch in die Führungen bringe ich immer wieder neue Sachen hinein. Die Leute wollen heute mehr sehen und nicht nur hören. Sie wollen das Fachwerk sehen, wissen, warum und wo genau eine Ziege gestanden hat und was genau an einem bestimmten Ort passiert ist. Sie wollen erlebte, lebendige Geschichte.

Gibt es etwas, was Sie sich für die Zukunft für Ihre Heimatstadt wünschen?

Christoph Davids: Mir ist wichtig, dass wir bewahren, was wir haben. Natürlich kann man nicht alles erhalten. Aber es ist wichtig, sich darauf zu besinnen, was früher war und die Erinnerung daran in Ehren zu halten.

Worauf sind Sie in der Stadt besonders stolz?

Christoph Davids: In Lüdinghausen hat sich in den vergangenen Jahren richtig was getan. Ich bin froh darüber, dass wir so eine Entwicklung gemacht haben. Wir haben den Zug nicht verpasst. Unsere Stadt ist lebenswert. Ich sage oft: Ich habe das Glück dort zu wohnen, wo andere gern Urlaub machen.