Am Mittwoch ist der internationale Tag der Artenvielfalt. In Lüdinghausen wird in diesem Bereich viel getan. „Es ist eine Aufgabe, die immens wichtig ist“, sagt Bürgermeister Richard Borgmann. Insektensterben und der immer größer werdende Vogelschwund fordern ein Umdenken der gesamten Gesellschaft. Die Stadt Lüdinghausen legt daher ein wichtiges Augenmerk auf Umweltschutz und Artenvielfalt.

Die „Hirsch-Wiese“ in der Bauerschaft Ondrup in Seppenrade kennen mittlerweile viele Lüdinghauser. Erich Hirsch, langjähriges Nabu-Mitglied, hat dort eine städtische Ausgleichsfläche mit großem Eigenengagement zu einer ökologisch hochwertigen Wildblumenwiese entwickelt. Das Mahdgut von dieser Wiese wird im Sommer auf die Wiesen in der StadtLandschaft übertragen. Hierzu werden die Pflanzenbestände geschnitten und ohne weitere Aufbereitung in frischem Zustand als Mulchdecke auf die Wiesen aufgebracht. „Das Verfahren der Mahdgutübertragung soll auch auf weiteren städtischen Flächen angewendet werden“, sagt der städtische Mitarbeiter Heinz-Helmut Steenweg. Eine andere Möglichkeit zur Erhöhung der Artenvielfalt ist die extensive Mahd städtischer Grünflächen oder auch die Neueinsaat mit mehrjährigen Wildblumenmischungen, wie zum Beispiel im Rott, an der Ascheberger Straße oder am Hallenbad. Gerade erst wurde der Kreisverkehr der Konrad-Adenauer-Straße neu eingesät. Auch diese Umgestaltungsvariante soll zukünftig weiter fortgesetzt werden.

Eine andere Fläche, die dem Blumenbetrachter ins Auge fallen soll, findet sich zum Beispiel an der Bushaltestelle an der Klosterstraße. Hier blühen noch bis in den Juni verschiedene Blumen wie Narzissen, Prärielilien und Zierlauch. Im Klosterpark soll im Herbst nun auch eine Blumenzwiebelmischung eingearbeitet werden. Solche bunten Blühaspekte locken Besucher in die Parklandschaft und sind schön anzuschauen. „Bei allem, was wir tun gilt: Die Vielfalt macht´s“, erklärt Steenweg.

Wichtig für die Vogelwelt sind auch heimische Bäume mit Früchten. Deshalb achtet die Stadt Lüdinghausen darauf, Vogelnährgehölze wie Feldahorn, Holzapfel, Mehlbeere, Schlehe, Wildkirsche oder Vogelbeere anzupflanzen. Im Außenbereich werden die vorhandenen Obstbaumalleen schon seit Jahren ergänzt. In diesem Jahr wurden an der Stadtfeldstraße und am Liebeshügel in Seppenrade neue Apfel- und Kirschbäume gepflanzt.

Auch Streuobstwiesen tragen zur Erhaltung der Artenvielfalt bei. Streuobstbau ist eine Form des Obstbaus, bei dem mit umweltverträglichen Bewirtschaftungsmethoden Obst auf hochstämmigen Baumformen erzeugt wird. Die Bäume stehen im Gegensatz zu niederstämmigen Plantagenobstanlagen häufig „verstreut“ in der Landschaft. Viele Streuobstwiesen sind beispielsweise an der Wolfsschlucht und am Alten und Neuen Berg in Seppenrade zu finden.

Selbst Baumwurzeln werden weiter genutzt. „Sie werden bei uns als Totholz verwertet“, sagt Steenweg. „Wir positionieren die Stubben gezielt auf städtischen Flächen. Sie bieten dann vielen Lebewesen Lebensraum und Unterschlupfmöglichkeiten.“ So wird ein weiteres Biotop für Insekten, Kleintiere und holzzersetzende Pilze geschaffen.