Zehn Jahre schon beschäftigt sich Michael Oestermann mit den Angelegenheiten und Streitereien anderer Leute – nicht aus Neugier, sondern auf deren Wunsch und auf Anfrage. Der 62-Jährige ist ehrenamtlicher Schiedsmann für die Stadt Lüdinghausen. Am Montagnachmittag wurde ihm für dieses langjährige Engagement im Rahmen einer kleinen Feierstunde von Bürgermeister Richard Borgmann, der Direktorin des Amtsgerichts Ira Schwefer und Mitarbeitern der Stadtverwaltung gedankt.

Sowohl Oestermann als auch sein Stellvertreter Alfred Schemmer betonten, dass ihnen die Aufgabe Spaß mache, weil sie gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Auch die nächsten fünf Jahre wolle er deshalb noch weitermachen, erklärte Oestermann zur Freude der Stadtverwaltung. „Wir wissen, dass ihre Arbeit oft schwierig sein kann“, sagte Borgmann. „Daher sind wir Ihnen unglaublich dankbar dafür, dass Sie uns vor zehn Jahren etwas ganz Besonderes geschenkt haben – ihre Zeit.“

Oestermann erklärte, dass es bei jedem Streit eine Vorgeschichte gebe, die man erst herausfinden muss: „Es geht fast nie wirklich nur um die berühmte Hecke“. Im ersten Gespräch seien die Parteien meist emotional und laut, danach werde es ruhiger und sachlicher. Dann könne man gemeinsam an einer Lösung arbeiten, die allen zugutekommt. Dieses Gespräch wird in einem Raum der Burg Lüdinghausen geführt, damit an einem neutralen Ort miteinander gesprochen werden kann.

Schwefer dankte Oestermann von Seiten der Justiz und überreichte ihm eine Urkunde. „Ich habe Sie als handfesten Menschen kennengelernt, der sehr engagiert ist und viel Fingerspitzengefühl hat“, sagte Schwefer. Borgmann betonte, dass Oestermann durch seinen Einsatz dazu beitrage, dass die Bürgerinnen und Bürger in Lüdinghausen friedlich zusammen leben und wohnen. „Ich genieße es selbst sehr, Teil dieser großen Familie zu sein“, sagte Oestermann. Denn dies sei die Stadt Lüdinghausen für ihn.