Das Dortmunder Fachbüro „Stadt + Handel“ hat die Stadt Lüdinghausen drei Jahre lang im Quartiersmanagement unterstützt. Im Interview erzählt Projektleiterin Ute Marks wie die Abstimmung mit den Beteiligten stattgefunden hat, welches die größten Erfolge des Quartiersmanagements waren und in welchen Bereichen es noch Handlungsbedarf gibt.


Frau Marks, das Ziel des Projekts war, die Innenstadt durch Projekte und Ideen von Kaufleuten und Bürgerinnen und Bürgern zu stärken. Wie hat sich Ihr Büro dieser Aufgabe angenommen?

Ute Marks: Wir haben wöchentliche Rundgänge durch die Stadt unternommen und intensive Kontakte zu den Immobilieneigentümern, der Bürgerschaft und aktiven Menschen in Lüdinghausen gepflegt. Bei den Bürgerinnen und Bürgern und auch beim Bürgermeister sind wir auf willige Kooperationspartner gestoßen, die Spaß an der Sache haben und etwas voranbringen wollen.

Welches Projekt sticht dabei für Sie besonders heraus?

Ute Marks: Besonders beim Beleuchtungskonzept sind wir auf eine riesige Begeisterung gestoßen. Das war eine unglaubliche Eigenleistung der Bürger und wir hatten gar nicht erwartet, dass dieses Projekt solche tollen Dimensionen annimmt.

Was macht Lüdinghausen besonders und anders als andere Städte?

Ute Marks: Lüdinghausen bedeutet für mich eine super Kombination aus touristischen Angeboten und einer hohen Aufenthaltsqualität. Es gibt ein Kaufangebot mit einem Mix aus hoch- und niedrigpreisigen Segmenten. Genau so etwas braucht eine Stadt. Menschen, die von außen kommen, wird wirklich etwas geboten, besonders Radfahrern oder Leuten, die Natur suchen.

Das klingt ja alles sehr toll. Muss dann gar nichts mehr gemacht werden?

Ute Marks: Doch, auf jeden Fall. Vor allem muss daran gearbeitet werden, dass der Bestand so gehalten wird. Dieser Aufgabe muss sich die Stadt bewusst sein. Das ist in Lüdinghausen so.

Inwiefern hat ein Blick von außen Ihnen bei Ihrer Arbeit geholfen?

Ute Marks: In Lüdinghausen ist niemand in Strukturen festgefahren. Aber wenn man schon sehr lange in einer Stadt lebt und tagtäglich durch die Stadt geht, gewöhnt man sich an viele Dinge und eventuelle Schwachstellen fallen gar nicht mehr auf. Uns ist bei unseren Rundgängen einiges in den Blick geraten, was verbesserungswürdig ist. Wir sind aber immer auf offene Ohren für diese Kritik gestoßen.

Wo sind die konkreten Baustellen?

Ute Marks: Für junge Leute muss noch etwas mehr getan werden. Da bewegt sich Lüdinghausen mit dem Kino, der neuen Sporthalle und großen Einkaufsbereichen aber genau in die richtige Richtung. Auch digitale Angebote wie der Ausbau von freiem WLAN müssen auf der Agenda stehen. Die Händler müssen digital sichtbarer werden und brauchen hierbei Unterstützung.

Welche Handlungsfelder gibt es noch?

Ute Marks: Entwicklungspotential gibt es auch im Bereich der Immobilien. Gerade im Bereich der Nebenlagen ist dies interessant. Der Stadtkern steht super da, aber auch die Ränder müssen im Blick behalten werden. Außerdem müssen die Wegeverbindungen verbessert werden. Überall dort, wo Bewegung ist, muss die Wegeverbindung klar sein, zum Beispiel von den Burgen und dem Krankenhaus in die Stadt. Mit der Aufwertung der Wilhelmstraße und dem angrenzenden Bereich wird das Kino nun ja auch an die Stadt angeschlossen. Das ist super.

Also steht Lüdinghausen insgesamt betrachtet gut da?

Ute Marks: Ja, und das sagen nicht nur wir. Die Untersuchung „Vitale Innenstädte“ hat Lüdinghausen ein super Zeugnis ausgestellt. Darauf können andere Städte neidisch sein. Trotzdem sollte die Umfrage als Grundlage genommen werden, um noch weiter an sich zu arbeiten. Es kam heraus, dass die Leute die Gastronomie in Lüdinghausen zwar super finden, aber nicht deshalb hierher fahren. Das heißt, dass in diesem Bereich mehr Werbung gemacht werden muss. Auch das Parkleitsystem sollte verbessert werden, schließlich wollen die Menschen es immer gern möglichst einfach haben.

Ein weiteres Ergebnis Ihrer Arbeit war die Einführung der „Netten Toilette“. Viele Gastronomen und Einrichtungen beteiligen sich an dem Angebot, Besucher kostenlos die Toilette benutzen zu lassen. Denken Sie, dass dies für die Besucher einer Stadt und die Bewohner wirklich eine große Rolle spielt?

Ute Marks: Die „Nette Toilette“ ist einfach ein tolles Marketinginstrument. Es geht gar nicht so sehr darum, ein Bedürfnis zu befriedigen, auch wenn das vielleicht gerade in dem Moment sehr dringend ist (lacht). Das spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es geht vielmehr darum zu zeigen, dass die Einrichtungen ein offenes Herz für die Menschen haben, die in der Stadt unterwegs sind. Sie sollen sich willkommen fühlen.

Verlassen Sie Lüdinghausen nun mit ein bisschen Wehmut?

Ute Marks: Ja, auf jeden Fall. Ich bin mir aber sicher, dass der Kontakt nicht ganz abbrechen wird. Die Gelegenheit, hier vorbeizuschauen, wird sich mit Sicherheit ergeben. Für uns ist Lüdinghausen ein leuchtendes Beispiel, das wir nun auch in andere Kommunen mitnehmen können. Über eine so erfolgreiche Zeit freuen wir uns natürlich sehr.

Was war für Sie der größte Erfolg des Quartiersmanagements in Lüdinghausen?

Ute Marks: Da kann man gar nichts Materielles nennen, auch nicht das Beleuchtungsprojekt, obwohl es einfach fantastisch ist. Für mich ist der größte Erfolg, dass wir in den schon dafür bereiten Köpfen und Herzen der Bürger den Gedanken der Stadtentwicklung und -erhaltung implementieren konnten. Und das Tollste ist: Ich bin mir ganz sicher, dass dies auch über unsere Anwesenheit hinaus Bestand haben wird.