Dem Eichenprozessionsspinner mit seinen natürlichen Feinden zu Leibe rücken: Dieses Ziel soll in Lüdinghausen nun mithilfe eines Projekts verfolgt werden. Auf Anregung von Enrico Zanirato ist die Idee entstanden, viele Beteiligte ins Boot zu holen und gemeinsam etwas gegen die Ausbreitung der unliebsamen Raupen zu unternehmen.

Zu einem ersten Gespräch haben sich auf Initiative der Stadt Lüdinghausen daher am Donnerstagmorgen einige Beteiligte im Rathaus getroffen. „Die Idee ist uns tatsächlich auf dem Schützenfest in Ermen gekommen“, sagte Zanirato. Die Schützenbrüder haben sich darüber unterhalten, dass in Groesbeek in Holland Nistkästen aufgehängt werden und die Blau- und Kohlmeisen die Raupen fressen. Der Versuch der Niederländer scheint erfolgreich zu verlaufen und die Verbreitung des Spinners in Groesbeek gestoppt worden zu sein. Warum sollte man etwas Ähnliches nicht auch in Lüdinghausen auf die Beine stellen können?

Der städtische Umweltbeauftragte Heinz-Helmut Steenweg war von dem Engagement begeistert. „Die Idee passt ins Konzept der Stadt Lüdinghausen, keine Biozide zu nutzen, sondern die natürlichen Feinde zu fördern“, betonte er. Wichtig seien neben der Erstellung von Nistkästen auch Insektenhotels. Schließlich müssen die Vögel auch genug zu fressen finden. „So würden wir uns dem Ziel nähern, das biologische Gleichgewicht wieder herzustellen“, freute sich Steenweg.

Nun gilt es, möglichst viele Menschen zu finden, die sich beteiligen möchten. Die Caritas-Werkstätten hatten Steenweg schon ihre Hilfe angeboten und sollen nun mit ins Boot geholt werden. Das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg hat bereits seine Mitarbeit zugesagt. Hier könnten die Schülerinnen und Schüler das Material für die Nistkästen und Insektenhotels schneiden und vorbereiten. „Das passt bei uns ins normale Schulprogramm, da die Schüler sowieso den Umgang mit den Maschinen erlernen sollen“, sagte Bernd Heimann, Lehrer für den Bereich Holztechnik. Auch das Biologische Zentrum gehört zum Arbeitskreis. Leiterin Dr. Irmtraud Papke wird die Bausatzzeichnungen an die Schule liefern, um einen ersten Prototypen erstellen zu können.

Anschließend könnten die Schulen und Kindergärten in Lüdinghausen und Seppenrade die Nistkästen und Insektenhotels bauen. „Ganz wichtig ist aber, dass die Kästen auch langfristig gereinigt werden“, betonte Steenweg. Schön wäre es, wenn Vereine, Organisationen oder andere Interessierte Patenschaften für die Pflege der Kästen in einem bestimmten Bereich der Stadt übernehmen könnten.

„Wir stehen noch ganz am Anfang des Projekts, doch ich denke, dass sich hier etwas ganz Tolles entwickeln lässt“, meinte Bürgermeister Richard Borgmann. „Die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt nehmen die Herausforderung gegen den Eichenprozessionsspinner an. Wo andere bislang nur reden, handeln wir. Diese Initiative ist ein bedeutender Schritt zur Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners in unserer Stadt. Gleichzeitig können wir noch etwas für die Umwelt und die Förderung des Miteinanders in Lüdinghausen und Seppenrade tun.“

Die Stadtverwaltung setzt nun darauf, dass sich möglichst viele Interessierte an dem Projekt beteiligen werden. Nach den Sommerferien sollen Informationsveranstaltungen hierzu stattfinden. Interessierte können sich unter 02591/926-248 oder unter steenweg@stadt-luedinghausen.de an Heinz-Helmut Steenweg wenden.