Aus 14 verschiedenen Ländern kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Allgemeinen Integrationskurses der Volkshochschule, der von dienstags bis freitags im Bauhaus der Burg Lüdinghausen stattfindet. Die jungen Menschen kommen zum Beispiel aus Somalia, Griechenland, den USA, Indien, Kambodscha, Eritrea und Syrien. So verschieden wie ihre Herkunft sind auch die Beweggründe, in Deutschland zu leben und die deutsche Sprache zu lernen. Viele kommen, weil in ihren Heimatländern Krieg herrscht, sie politisch verfolgt werden oder unter großer Armut leiden. Andere möchten in Deutschland leben und arbeiten, weil sie hier die Liebe fürs Leben gefunden haben. Sie alle nehmen am 19. Juli an einer Prüfung teil. Diese weist das Erreichen eines bestimmten Sprachniveaus nach und ist für den Einstieg in den Arbeitsmarkt eine große Hilfe.

Auf dieses große Ziel bereitet ihre Lehrerin Elena Grushenko sie im Integrationskurs vor. „Einige der Schüler beginnen ganz von vorn, sie haben gar keine Vorkenntnisse“, sagt sie. Andere haben schon in ihren Heimatländern ein wenig Deutsch gelernt. Von Vorteil sei immer, wenn man schon andere Fremdsprachen beherrscht und in der eigenen Sprache gut lesen und schreiben kann. Schwierig sei die deutsche Sprache aber für alle. Die Teilnehmer lachen und nicken. Keine Frage, es gibt sicher Sprachen, die leichter zu lernen sind. Aber in Deutschland gefällt es den jungen Menschen gut. Die Leute seien freundlich und hilfsbereit. Einige Verhaltensweisen seien allerdings gewöhnungsbedürftig. Warum muss man einen Termin machen, um sich mit Freunden zu treffen? In vielen Ländern schaut man einfach so bei einem Verwandten oder Freund vorbei. Auch an die strenge Pünktlichkeit müssen sich einige noch gewöhnen. Überhaupt gehe es in Deutschland recht streng zu. Für alles gibt es Regeln. Doch nach einiger Zeit werde man mit diesen Dingen vertraut.

Die meisten möchten ihr Leben hier verbringen und nicht mehr zurückkehren. So wie Amin aus dem Irak. Er ist zuerst in die Türkei geflohen, hat anschließend eine Zeit lang in Griechenland gelebt und hofft nun, in Deutschland richtig anzukommen. Ihm gefällt die Natur in Lüdinghausen und das Gefühl der Sicherheit. Fatima stimmt ihm zu. „Lüdinghausen ist nicht zu groß und nicht zu klein“, findet sie. Gerade für ihre Kinder sei es eine tolle Gegend. Ihr gefällt das Angebot an Kindergärten, Schulen und Spielplätzen. Hier könne sie ihre Kinder unbesorgt spielen lassen. Die guten Bildungschancen sowohl für sich selbst als auch ihre Kinder betonen viele Kursteilnehmer. Auch die Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen sei wichtig und in manchen ihrer Heimatländer nicht gegeben. Alle Kursteilnehmer setzen große Hoffnungen in ihre Zukunft in Deutschland.

Grushenko unterrichtet seit drei Jahren an der VHS und kommt selbst aus Russland. Ihr gefallen ihre „lebendige Arbeit“ und der Kontakt zu den Menschen. Die Lehrwerke haben sich ihrer Ansicht nach deutlich geändert. Zum Vorteil derjenigen, die hierher kommen. „Es ist viel anwendungsorientierter geworden“, findet Grushenko. Wir lernen praktische Sachen zu Themen wie Schule, Freizeit, Arzt- und Behördenbesuchen oder zum Einkauf. Die Grammatik sei nachgelagert, weil es wichtiger ist, sich im Alltag zurechtzufinden. Zurzeit lernt der Kurs den Bereich des Straßenverkehrs kennen. Sie berichten, wie sie jeden Tag zum Kurs kommen. Einige fahren Fahrrad, andere kommen mit dem Zug, dem Bus oder zu Fuß.

Bald steht die Prüfung bevor, die vier verschiedene Kompetenzen testet: Das Lesen, Schreiben, Hören und Sprechen. Nervös scheinen alle bereits ein wenig zu sein. „Das klappt schon“, ist Grushenko jedoch überzeugt. „Die Menschen, die hier sitzen, wollen alle selbst möglichst viel lernen, keiner wird gezwungen.“ Das sei die beste Voraussetzung dafür, die Prüfung zu bestehen.

Im Dezember 2016 startete der erste vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) geförderte Integrationskurs im VHS-Kreis Lüdinghausen. Seit diesem Zeitpunkt konnte das Kursangebot ständig erhöht werden. Durch die Kursteilnahme konnten bisher mehr als 260 kursberechtigte geflüchtete Personen und EU-Bürger aus Ascheberg, Lüdinghausen, Nordkirchen, Olfen und Senden ihren ersten, wichtigen Schritt auf dem Weg zur Integration in Deutschland beschreiten. Ein Integrationskurs leistet einen wichtigen Beitrag zur sozialen, gesellschaftlichen und beruflichen Teilhabe.