Mit seinem Handwerk lebt er den Cittaslow-Gedanken in Lüdinghausen: Jörg Terjung ist nicht nur Konditormeister, er ist nun auch Brotsommelier. Kürzlich war er im Rathaus zu Gast, wo Bürgermeister Richard Borgmann ihm zu seiner Fortbildung mit bestandener Prüfung gratulierte. Ein Jahr hat sich Terjung an der Akademie des deutschen Bäckerhandwerks in Weinheim auf die Prüfung vorbereitet.

„Ich möchte Ihnen ein riesiges Kompliment aussprechen“, sagte Borgmann. „Sie bringen nicht nur Ihr Unternehmen voran, sondern die ganze Stadt Lüdinghausen. Die gesunde Ernährung spielt eine immer größere Rolle für die Menschen. Die Leute wollen zu Recht wissen, wo die Zutaten für ihre Lebensmittel herkommen. Dies machen Sie transparent und schaffen somit ein großes Vertrauen.“ Der frischgebackene Brotsommelier nickte. Er habe festgestellt, dass die Leute unglaublich interessiert sind, wenn er von der Kunst des Brotbackens erzählt.

Eine seiner neuen Kreationen – das Emmerbrot – sei besonders durch seinen würzigen Geschmack beliebt. „Das Emmer-Urgetreide sieht schwarz aus, so als sei es schon faul geworden“, sagte Terjung. Dabei sei es geschützt vor Umwelteinflüssen und entfalte einen besonderen Geschmack. Terjung klopfte gegen das Brot, denn „schön klingen sollte es auch“. Daran merke ein Brotsommelier direkt, ob das Brot eine zarte Kruste hat.

Der 56-Jährige ist mittlerweile auf zahlreichen Märkten unterwegs und preist seine Brotkreationen an. Er legt nicht nur Wert auf den regionalen Bezug der Zutaten, sondern auch auf Bekömmlichkeit, da immer mehr Menschen an Unverträglichkeiten leiden. Auch diesen möchte er ein tolles Geschmackserlebnis bieten. Für sein Lüdinghauser Saftkorn experimentiert Terjung mit immer neuen Sorten, die je nach Jahreszeit angeboten werden. Die verschiedenen Variationen mit Haselnuss, Kürbiskern, Kalifornischen Mandeln, Maronen und Sauerkraut seien bei seiner Kundschaft sehr beliebt. Die einfallsreichen Kombinationen seien sein Alleinstellungsmerkmal.

„Ich versuche immer, andere mit ins Boot zu holen“, erklärte Terjung. „So ergeben sich für viele lokale Anbieter tolle Win-win-Situationen.“ So bezieht er sein Getreide von einem Hof in der Bauerschaft Elvert, Nüsse von einer Walnuss-Manufaktur in Davensberg und Spargel vom Forstmannshof. Die Liste ließe sich noch beliebig erweitern. Heute könne er das Motto Cittaslow für seine Vermarktung noch mehr nutzen als in den Anfängen der Mitgliedschaft Lüdinghausens im internationalen Netzwerk der lebenswerten Städte. „Den Menschen wird das immer wichtiger“, ist Terjung überzeugt.

Auf der Burg Vischering erzählt er den Leuten schon seit Jahren von der Kunst des Brotbackens. Dies begeistere nicht nur Lüdinghauser und Menschen aus der Umgebung, sondern auch Besucher aus dem Ausland, die den Weg nach dem Besuch der Burg in die Innenstadt finden. „Für unsere Stadt ist das, was sie tun, ein riesiger Gewinn. Wo LH draufsteht, ist auch LH drin“, sagte Borgmann und wünschte Terjung weiterhin ein gutes Gelingen und vor allem viele tolle, neue Ideen.