Viele Unternehmen im Kreis Coesfeld sind Vorreiter der Digitalisierung. Die Coesfelder Arbeitsagentur brachte Abgeordnete und Betriebe für einen gewinnbringenden Austausch zusammen.

Landwirte, die mit Hilfe von Satelliten und künstlicher Intelligenz vom Schreibtisch aus überprüfen, ob es ihren Pflanzen auf den Feldern gut geht. Pflegekräfte, die den Arzt per App und Liveschaltung hinzuziehen, um gemeinsam die beste Wundversorgung für den Patienten zu ermitteln: All das ist keine Science-Fiction, sondern im Kreis Coesfeld schon Realität. Wie intensiv der technologische Fortschritt in den Firmen der Region bereits gestaltet wird und welche Auswirkungen dies auf die Wirtschaftsregion und den Arbeitsmarkt hat: Davon konnten sich die Bundes- und Landtagsabgeordneten aus dem Kreis Coesfeld sowie die Bürgermeister aus Lüdinghausen und Senden bei Betriebsbesuchen ein Bild machen. Dazu eingeladen hatte die Agentur für Arbeit Coesfeld.

 

„Wenn man an das Münsterland denkt, hat man meistens die schöne Parklandschaft, Fahrräder, Schlösser und Burgen im Kopf. Das ist eine Seite der Region. Gleichzeitig gibt es hier Unternehmen, die weltweit Vorreiter für neue Technologien sind. Das ist vielen Menschen nicht bekannt. Daher ist es für diese Unternehmen häufig eine Herausforderung, passend qualifiziertes Personal zu gewinnen“, beschreibt Johann Meiners, Leiter der Agentur für Arbeit Coesfeld. Das bestätigt auch Burkhard Kleffmann, Geschäftsführer der Kleffmann Group in Lüdinghausen. Mit seinem Team begrüßte er den Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann, den Landtagsabgeordneten Wilhelm Korth, den Sendener Bürgermeister Sebastian Täger und Richard Borgmann, Bürgermeister aus Lüdinghausen.

Neueste Entwicklung der Kleffmann Group ist ein digitales Werkzeug zur Optimierung des Ackerbaus, das Landwirten die Möglichkeit gibt, ihren Pflanzenbestand vom Büro aus zu beobachten und auf der Basis der gelieferten Daten bedarfsgerecht zu düngen und teilflächenspezifisch zu bewirtschaften. Für seinen Betrieb benötigt Kleffmann hochspezialisierte Fachkräfte wie Agrarwissenschaftler, IT-Spezialisten oder Geoinformatiker. Berufseinsteigerseien aufgrund der Nähe von Lüdinghausen zu den Hochschulstandorten in Münster und im nördlichen Ruhrgebiet recht gut zu finden. Führungskräfte zu rekrutieren sei jedoch schon eine größere Herausforderung, berichtet der Unternehmer. Viele Kandidaten forderten sehr flexible Arbeitszeiten, um den Beruf mit dem Privatleben zu vereinbaren, was jedoch bei Tätigkeiten mit Führungsverantwortung nicht immer leicht zu gewährleisten sei, merkt der Unternehmer an. Um Fachkräfte zu gewinnen sei es darüber hinaus wichtig, dass der Arbeits- und Wohnort attraktiv seien, betont Kleffmann an die Politik gerichtet. Gute Verkehrsanbindungen, Schulen, Kinderbetreuungsmöglichkeiten, ein ansprechendes Wohnungsangebot: „Das sind Faktoren, die für Bewerber bei der Entscheidung für einen Arbeitsplatz eine wichtige Rolle spielen“ stimmt Agenturleiter Meiners zu. Eine Botschaft, die bei den Vertretern aus Politik und Verwaltung ankam.

Daneben gebe es weitere wichtige Handlungsfelder, an denen gearbeitet werden müsse, um Unternehmen die nötigen Rahmenbedingungen zu geben, den technologischen Fortschritt zu gestalten, waren sich die Gesprächspartner einig. So waren beispielsweise schnelle Datenleitungen oder Regelungen zum Datenschutz Themen der Diskussion. Diese Aspekte bewegen auch Holger Münster, Geschäftsführer der 1a Wundzentrums GmbH in Senden. „Wir benötigen eine gute IT-Infrastruktur, um unser neues Behandlungskonzept umsetzen zu können“, betont er. Mit seinem Pflegeteam und einem Facharzt behandelt Münster im Wundzentrum Patienten mit schwer heilenden und chronischen Wunden. Neben der ärztlichen Begutachtung der Wunden in der Praxis kommt beim Pflegedienst ein IT-gestütztes System zum Einsatz, mit dem der Behandlungsfortschritt dokumentiert und die weiteren Behandlungsschritte angestoßen werden. „Die Patienten müssen weniger häufig in die Arztpraxis kommen, wir vermeiden Wartezeiten und entlasten die Praxen. Dies ist bei dem vieldiskutierten Ärztemangel im ländlichen Raum ein wichtiger Schritt in Rahmen der Fachkräftesicherung“, so Münster. „Außerdem erledigen unsere Pflegefachkräfte diese komplexen Tätigkeiten selbstständig, stärken so ihre Kompetenzen und sind zufriedener. Auch das trägt dazu bei, dass Fachkräfte kommen und bleiben“, erläutert Münster.

Für die Politiker boten die Betriebsbesuche und Diskussionen wichtige Einblicke. Sie regten an, auch im nächsten Sommer wieder mit den Experten der Arbeitsagentur Coesfeld auf Tour zu gehen. „Wir konnten unseren Gästen aus der Politik heute zeigen, wie innovativ viele Unternehmen im Kreis Coesfeld sind, welche Chancen sie für Wirtschaft und Menschen in der Region bieten und welche Herausforderungen am Arbeitsmarkt gemeistert werden müssen“, so das positive Fazit von Johann Meiners.