Sind Ruderer erst einmal auf dem Wasser, sieht von Land betrachtet alles ganz einfach aus. Mit gleichmäßigen Zügen bewegen sie das Boot vorwärts. Bis dahin sind aber einige Vorbereitungen nötig. „Rudern ist ein zeitintensiver Sport“, sagt Christoph Marxen, Vorsitzender des Rudervereins Lüdinghausen. Er trainiert heute drei Frauen, die sich für den Ruder-Schnupperkurs der Volkshochschule angemeldet haben.

„Rudern ist als Sportart nicht so prominent“, weiß der 31-Jährige. „Manche verwechseln es mit Kanufahren oder Paddeln.“ Es sei jedoch noch nicht vorgekommen, dass sich jemand falschherum ins Boot setzen wollte. Andrea Steffen, Dorothe Buckmann und Gudrun Pinke sind heute zum zweiten Mal am Ruderverein und werden am Mittwoch noch ein drittes Mal gemeinsam trainieren. Drei Mal Schnuppern macht aus einem Laien aber keinen Ruderer, oder? „Es reicht, um festzustellen, ob die Sportart etwas für mich ist oder nicht“, sagt Marxen. Erst mal sei es wichtig, Spaß an der Sache zu haben. Kondition könne man später aufbauen. Trotzdem müssen Interessierte ein paar Voraussetzungen mitbringen. „Die Schwimmfähigkeit sollte schon da sein“, sagt Marxen. Ansonsten könne Rudern in jedem Alter gelernt werden, solange man „einigermaßen körperlich fit“ ist.

Beim ersten Treffen ging es darum, den Ruderablauf kennenzulernen und ein Gefühl für das Boot zu bekommen. Heute möchte Marxen das Gelernte vertiefen und Fehler ausmerzen. Im Schnupperkurs wird die Rollbahn bei den ersten Schlägen noch weggelassen und der Bewegungsablauf kommt nur aus den Armen. Später werden dann auch Oberkörper und Beine miteinbezogen. „Da werden Muskeln beansprucht, die man vorher gar nicht kannte“, sagt Marxen und lacht. Das bestätigt auch Dorothe Buckmann. „Ich habe das Training abends schon ein bisschen in den Oberschenkeln gemerkt“, gibt sie zu. Muskelkater habe sie aber am nächsten Tag keinen gehabt. Marxen findet, dass sich alle wacker geschlagen haben. Die Ansprüche sind aber auch nicht so hoch. „Ich bin nicht im Wasser gelandet“, sagt Andrea Steffen und lacht. „Fürs erste Mal bin ich mit meiner Leistung deshalb ganz zufrieden“.

Beim ersten Hineinsetzen ins Ruderboot kann es schon wackelig zugehen. Normalerweise drücken sich Ruderer gemeinsam und gleichzeitig vom Ufer ab, indem sie mit einem Bein im Boot und mit dem anderen am Steg stehen. Für Anfänger ist dies noch zu schwierig und sie benötigen Hilfe von außen. Doch sobald erst einmal alle im Boot sind, ist die erste Anspannung verflogen und bei schönem Wetter geht es hinaus auf die „Alte Fahrt“. Auf diesem Arm kommt den Ruderern kein Begegnungsverkehr entgegen, was gerade für Anfänger ideal ist. Marxen sitzt als Steuermann den Frauen gegenüber und gibt die Kommandos. Zuerst wippen die Frauen mit den Skulls – umgangssprachlich oft als „Ruder“ bezeichnet – auf und ab. Hierdurch sollen sie ein Gefühl dafür bekommen, wie die Blätter im Wasser liegen. Dann kann es richtig losgehen.

Am heutigen Tag schafft das Boot eine Strecke von fast vier Kilometern. Marxen zieht ein positives Fazit: „Es war etwas windig und die Kraft für heute aufgebraucht, aber es freuen sich schon alle auf das nächste Training am Mittwoch.“ Er hofft, dass er die Teilnehmerinnen von seinem Lieblingssport begeistern kann. Bereits zum dritten Mal bietet der Verein in Kooperation mit der VHS den Schnupperkurs an. Einige Teilnehmer der letzten Kurse haben auch später wieder den Weg zum Ruderverein im Berenbrock gefunden. Doch das ist nicht die wichtigste Intention des Vereinsvorsitzenden. „Ich will den Leuten einfach zeigen, dass Rudern Spaß macht und ein toller Teamsport ist“, erklärt Marxen. „Dazu ist man draußen in der Natur und hat einen tollen Blick aufs Grüne. Für mich ist das der perfekte Ort, um abzuschalten.“