In ein paar Wochen sind alle Bürgerinnen und Bürger der Bundesrepublik Deutschland dazu aufgefordert, das Europäische Parlament zu wählen. Die Wahl findet am Sonntag, den 26. Mai, statt. „Was hat Europa mit mir zu tun?“, fragen sich viele und sind noch unsicher, ob sie überhaupt ihr Kreuz setzen werden.

Europa hat mehr Einfluss auf die Kommunen und die Bürgerinnen und Bürger als es oft den Anschein hat. Viele Gesetze aus den Bereichen Energie, Umwelt, Wirtschaft und Einwanderung betreffen die Kommunen und auch der Einzelne spürt diesen Einfluss deutlich. So ist die Europäische Union (EU) zum Beispiel im Bereich des Arbeitsmarkts dafür verantwortlich, soziale Mindeststandards zu schaffen. Beim Einkauf wünscht der Konsument eine klare Kennzeichnung von Lebensmitteln und hat hohe Hygieneanforderungen an Fleischwaren - auch dies regelt die EU. Es gibt Regeln für sauberes Trinkwasser, für Schadstoffgrenzen in der Luft und Passagierrechte im Flugverkehr. Wer also atmet, einkauft, arbeitet, reist und Wasser trinkt, darf nicht behaupten, dass Europa ihn nicht betrifft. Europa betrifft uns alle.

Auch Schülerinnen und Schüler sind stark von der Europapolitik betroffen. Das Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg ist eine Europaschule, fühlt sich der Idee Europas also besonders verpflichtet. „Wir haben an unserer Schule ganz viele europäische Aktivitäten vom Schüleraustausch bis hin zu Projekten mit einer Partnerschule aus den Niederlanden“, sagt Schulleiterin Sabine Neuser. „Auch das Sprachenlernen wird bei uns besonders gefördert und in jedem Unterrichtsfach ist das Thema Europa irgendwie verankert“. So lernen die Schülerinnen und Schüler aus dem Bereich Sozial- und Gesundheitswesen beispielsweise, wie die Gesundheitssysteme anderer europäischer Länder funktionieren. Am Donnerstag, den 9. Mai, findet an der Schule wieder das Europafest statt. Mit einer Junior-Wahl zur Europawahl möchte das Berufskolleg ihre Schülerinnen und Schüler mit dem Wahlverfahren vertraut machen. „Ein Großteil der Schüler lebt den Europagedanken sehr bewusst und wir erleben hier keine Europafeindlichkeit“, sagt Neuser. Insofern hofft und denkt sie, dass die volljährigen Schülerinnen und Schüler von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen werden.

„Wer nicht wählen geht, lässt andere für sich entscheiden, welche Abgeordneten im europäischen Parlament sitzen“, stellt Bürgermeister Richard Borgmann fest. Nach der Abstimmung über den Brexit hätten sich im Anschluss viele Briten, insbesondere die junge Generation, geärgert, dass sie nicht wählen gegangen sind. „Das Wahlrecht darf man niemals ignorieren, sondern muss es als hohes Gut der Demokratie anerkennen“, betont das Lüdinghauser Stadtoberhaupt.

Besonders am Herzen liegt Borgmann, dass sich die jungen Menschen an der Wahl beteiligen. „Es geht um eure Zukunft, die ihr durch eure Stimme aktiv mitbestimmen könnt“, betont Borgmann. Ebenso weist er alle EU-Bürgerinnen und -Bürger, die sich derzeit nicht in ihrem Heimatland befinden, darauf hin, dass sie von ihrem Wahlrecht auch in Deutschland Gebrauch machen können. „Europa ist für uns wie ein Paradies. Lassen wir uns durch das Nichtwählen nicht aus dem Paradies vertreiben“, so Borgmann abschließend.