Derzeit sind die Notfallpraxen in Lüdinghausen und Dülmen geschlossen. Die Kassenärztliche Vereinigung begründet diesen Schritt mit Umstrukturierungen aufgrund der Coronakrise. Bürgermeister Richard Borgmann hat sich daher nun in einem Schreiben an den Vorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, Dr. Dirk Spelmeyer, gewandt und dazu aufgefordert, „diesen unhaltbaren Zustand alsbald zu beenden“.

In seinem Schreiben erklärt Borgmann, dass ihm die Nachricht, dass die Notfallpraxis geschlossen ist, zufällig durch ein kleingedrucktes Schild aufgefallen ist. Er befand sich gerade auf dem Weg zu einer Krisensitzung im St. Marien-Hospital. In dieser Sitzung ging es ausgerechnet darum, die Belastung für das hiesige Krankenhaus nicht an seine Grenzen kommen zu lassen. Die Bevölkerung sollte dazu sensibilisiert werden, nur bei unbedingtem Bedarf die Arztpraxen und das Krankenhaus aufzusuchen. Leichte oder mäßige Erkältungssymptome sollen zuhause auskuriert werden, um nicht die Betten und die Zeit, die für schwerstkranke Menschen zur Verfügung stehen müssen, zu belegen.

Die Entscheidung zur Schließung der Notfallpraxen ist genau entgegengesetzt zu dem Ansinnen des St. Marien-Hospitals und der umliegenden Kommunen. Aufgrund der Schließung der Notfallpraxen in Lüdinghausen und Dülmen suchen noch mehr Patienten die Ambulanz des Regionalkrankenhauses für das südliche Münsterland auf. Den weiten Weg von Selm, Nordkirchen, Olfen, Ascheberg, Senden oder Lüdinghausen nach Coesfeld, wo sich die nächstgelegene Notfallpraxis befindet, beschreibt Borgmann als „unzumutbar“. In seinem Schreiben betont Borgmann das diese Maßnahme als „Schlag ins Gesicht“ derjenigen verstanden wird, „die Tag und Nacht bemüht sind, sich der dramatischen Entwicklung des hoch ansteckenden Erregers entgegenzustellen“. Im Namen seiner Amtskollegen und der Bürgerinnen und Bürger bittet Borgmann darum, die Notfallpraxen wieder zu öffnen, um das St. Marien-Hospital wenigstens ein wenig zu entlasten.