„Engagement, das trägt“, so kann man die Arbeit der Migrationsberatung beschreiben. Seit nunmehr zehn Jahren ist die städtische Migrationsberatung ein fester Bestandteil der Integrationsarbeit in Lüdinghausen und Seppenrade. Was heute eine etablierte Anlaufstelle mit fünf beschäftigten Mitarbeiterinnen ist, begann als ehrenamtliches Engagement.
Entstehung aus ehrenamtlichem Engagement
Ihren Ursprung hat die Migrationsberatung in der ehrenamtlichen Arbeit der „Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden“ im Zuge der Flüchtlingsbewegung der Jahre 2015 und 2016. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Vereinen stellte sich damals die zentrale Frage: Wie kann den nach Lüdinghausen kommenden Menschen mit Fluchterfahrung geholfen werden? Schnell wurde die Langfristigkeit dieser Aufgabe deutlich, sodass auch die Stadt Lüdinghausen sich aktiv einbrachte und fortan Sozialarbeiter und Integrationshelfer mit der Aufgabe der Integration beauftragte.
Aufbau der städtischen Migrationsberatung
Von Anfang an dabei war Lioba Sivalingam. „Zunächst war ich noch bei der Arbeitsstelle Gerechtigkeit und Frieden angestellt, seit 2019 dann bei der Stadt“, berichtet die Sozialarbeiterin. „Nachdem wir im Januar 2016 in die Räumlichkeiten an der Mühlenstraße 70 eingezogen waren, gab es im Frühjahr dann personelle Unterstützung.“ Das Team, bestehend aus dem damaligen Integrationsbeauftragten Sekou Toure und Lioba Sivalingam, wurde durch Nahed Hassan ergänzt.
„Wir sind mit zwei Bussen nach Bielefeld gefahren, um Menschen zu registrieren. Damals war niemand wirklich auf diese Aufgabe vorbereitet“, erinnern sich die beiden, die noch immer in der städtischen Migrationsberatung tätig sind.
Im Laufe der Zeit hat sich die Arbeit mehr und mehr professionalisiert und auch die Verwaltungsabläufe sind heute wesentlich besser eingespielt. Vor allem die vom Grund her unterschiedlichen Herangehensweisen von Verwaltung und Migrationsberatung mussten erst aufeinander abgestimmt werden. Eine zentrale Rolle spielte dabei der enge und kontinuierliche Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Rathaus.
Der Krisenmodus schweißt zusammen
„In unserer Arbeit erleben wir die Schwankungen der Flüchtlingszahlen sehr deutlich und jede Phase bringt dabei neue Herausforderungen mit sich“, erklärt Nahed Hassan. Neue Fragestellungen, etwa die Mitnahme von Haustieren, müssen dann kurzfristig gelöst werden. „Aber der Krisenmodus schweißt auch zusammen“, ergänzt Sivalingam.
„Wir arbeiten mit all den Menschen, die Zuflucht in unserer Stadt suchen“, bringen die beiden Frauen es auf den Punkt. Doch nach der letzten Flüchtlingsbewegung durch den Ukraine-Krieg richtet sich der Blick nun wieder nach vorn: Ziel ist es, mit allen rund 600 betreuten Personen Perspektivgespräche zu führen und daraus individuelle Maßnahmen zu entwickeln. „Wir wollen originäre Sozialarbeit leisten, Integration begleiten und nicht nur Brände löschen.“ Schulungen zu Themen wie Hygiene oder Haftpflichtversicherung gehören ebenso dazu wie Unterstützung im Alltag. In enger Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen vom Fallmanagement gelingt so auch die Vermittlung in Arbeit oder eine Ausbildung.
Integration braucht Zeit und Vertrauen
Dass die Arbeit der Migrationsberatung Früchte trägt, zeigt eine Geschichte, die Lioba Sivalingam in Erinnerung geblieben ist: „Vor zwei Jahren ist ein Mann mit seinem Auto vorgefahren und hat sich bei uns für die Unterstützung bedankt. Er hatte gerade seine Ausbildung abgeschlossen und wollte einfach zeigen, dass er es geschafft hat.“
Seit 48 Jahren lebt Nahed Hassan selbst in Deutschland, spricht Arabisch und kennt die kulturellen Hintergründe vieler Ratsuchender; ein echter Vorteil für die Arbeit. „Die Menschen müssen erst einmal abgeholt werden“, sagt sie. Gerade während laufender Asylverfahren sei es aus ihrer Sicht wichtig, die Zeit sinnvoll zu nutzen, die Sprache zu erlernen, sich weiterzubilden und zu orientieren. „Auch wenn ein Asylantrag abgelehnt wird, bleibt das Erlernte.“
Zehn Jahre nach ihrer Gründung ist die städtische Migrationsberatung weit mehr als eine Reaktion auf Krisen. Sie schafft einen langfristigen Mehrwert für die Stadtgesellschaft und ist ein unverzichtbarer Bestandteil gelungener Integrationsarbeit.

