Rund 70 interessierte Teilnehmende fanden sich am Mittwoch zum 2. GesundheitsForum Münsterland auf der Burg Lüdinghausen ein. Unter dem Titel „Primärarztsystem, Physician Assistant und interdisziplinäre Hausarztzentren – Optionen für eine verbesserte Patientenversorgung?“ diskutierten Experten aus Politik, Verbänden, Kassenärztlicher Vereinigung und Praxis innovative Modelle zur Sicherstellung der ambulanten und wohnortnahen medizinischen Versorgung.
In seiner Begrüßung betonte Bürgermeister Ansgar Mertens die Bedeutung regionaler Initiativen, um die Gesundheitsversorgung auch in ländlich geprägten Regionen wie dem Münsterland zukunftsfähig zu gestalten. Anschließend berichtete Wirtschaftsförderer Torsten Voß über das städtische Förderprogramm zur finanziellen Unterstützung von Praxisübernahmen, Neugründungen und Anstellungen für Ärzte in Lüdinghausen. Die Moderation der Veranstaltung lag in den Händen von Prof. Dr. Peter Wigge (Rechtsanwälte Wigge aus Münster).
Angesichts wachsender Wartezeiten, Ärztemangels und zunehmender Versorgungsprobleme in der gesetzlichen Krankenversicherung standen drei zentrale Ansätze im Mittelpunkt der Veranstaltung: Lars Rettstadt vom Hausärztinnen- und Hausärzteverband Westfalen-Lippe e. V. erläuterte die Erwartungen der Hausärzteschaft an ein gesteuertes Primärarztsystem. Er betonte, dass eine stärkere Steuerungsfunktion der Hausärzte entscheidend sei, um die Versorgung effizienter und patientenzentrierter zu gestalten. Carsten Vosseler, Bereichsleiter Politik & Strategie der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe, ergänzte die notwendigen strukturellen und rechtlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Berufsbild des Physician Assistant. Dr. med. Volker Eissing, Geschäftsführer der MVZ Birkenallee GmbH in Papenburg, berichtete praxisnah über das erfolgreiche „Papenburger Modell“. Er zeigte auf, wie Physician Assistants in Hausarztpraxen delegierbare ärztliche Leistungen übernehmen und damit zur Reduzierung von Wartezeiten sowie zur Entlastung der Ärzte beitragen können.
Abschließend stellte Ingo Jakschies, Geschäftsführer der gesunddenken.de GmbH aus Soest, das Konzept interdisziplinärer Hausarztzentren sowie wohnortnaher, niedrigschwelliger, kurzstationärer Versorgungseinrichtungen mit medizinischen Wohnangeboten vor.
Die Experten waren sich einig, dass alle drei Ansätze wichtige Bausteine für eine zukunftsfähige Patientenversorgung darstellen und dass eine Kombination der Modelle notwendig ist, um den Herausforderungen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels wirksam zu begegnen.
Alle Präsentationen der Referenten sind auf www.gesundheitsstadt.net einsehbar.

